Bock auf Butterbrot

Der Ausstellungstitel lautete: „Was wir essen — woher es kommt“. Ein Kunstprojekt zum Thema Nahrung. Da ich nicht nur in der Kunst kreativ bin, sondern auch gerne koche — und esse, war für mich sofort klar, da mache ich mit. Ich machte mir nun Gedanken zum Essen — und über seine Herkunft. Und ich überlegte, ob ich meine Ideen malerisch, zeichnerisch oder als Collage umsetze. Zwei Bilder, die auf die Nährwerte, oder vielmehr Vitamine, hinweisen, hatte ich inzwischen in Acryl auf Leinwand gemalt. Ich könnte doch noch etwas zu Fastfood gestalten, einen Big Mac zum Beispiel und als Pendant ein einfaches Butterbrot. So richtig großen Appetit — oder „Bock“ auf Butterbrot. Ja, ein Bock muss drauf — das ist es! Eine kleine Schleichfigur, ob nun ein kapitaler Sechserbock oder ein Ziegenbock, egal, ich würde schon den passenden finden. Das war aber gar nicht so leicht wie vermutet. Sowohl im naheliegenden, als auch in umliegenden Geschäften gab es keinen. Kein Bock, nirgends. Ricken und Rehkitze gab es allerdings mehrfach. Ich war enttäuscht. Nun müsste ich wohl selber einen Bock basteln, aus Ton oder Fimo. Noch war Zeit bis zur Abgabe der Werke. So konnte ich die Einladung für ein paar Tage nach Stuttgart annehmen. Vielleicht würde ich ja dort fündig. Nach erfolglosem Aufsuchen von zwei Spielwaren- geschäften fand ich in der Bastelecke eines Spiel-, Schreib- und Bastelladens in einer Kiste zwischen Buchstaben, Zeichen, Pferden, Löwen und Sternen in ver- schieden Größen ganz unten ein Ziegenbock! Alles aus Pappmaché. Der Bock sah zwar in der materialeigenen Farbe etwas unscheinbar aus, mit Pinsel und Farbe würde ich ihm ein Gesicht geben und ein passendes Fell. Jetzt fehlte nur noch das Butterbrot. Aber das hatte noch Zeit, bis ich wieder zuhause war. Eine Scheibe Brot (vom Bäcker) — die „Butter“ hatte ich schnell hergestellt: Alabastergips mit Wasser anrühren, eine Farbe, die es mit einer guten Alpenbutter aufnehmen kann und damit die Brotscheibe bestreichen Jetzt hatte ich „Bock“ auf Butterbrot — im doppelten Sinne. Auf dem kleinen Porzellanteller sah mein Werk etwas verloren aus, etwas fehlte noch. Wie bei einem Bild, das zwar ein Passe- partout hat, aber noch keinen Rahmen. Die Käseglocke und eine große runde Glasvase als Haube passten nicht. Ein vier- eckiger Kerzenleuchter, umgekehrt und zweckentfremdet, gab den passenden Rahmen. Die Abgabe der Werke rückte näher und bald auch die Vernissage. Viele interessierte Gäste waren anwesend. Die Ausstellung bekam große Aufmerksamkeit und es kamen viele Besucher, auch ganze Schulklassen, erfuhr ich bei einem späteren Besuch. Mein Bock würde bei den Jugendlichen gut ankommen. „Klasse“, fänden sie den „Bock auf Butterbrot“ — und als Reaktion käme oft: „Null Bock auf Burger und Fritten“. Also kein Fastfood! Sie hatten meine Idee und Umsetzung verstanden. Ja, manchmal kann auch ein Butterbrot richtig delikat sein! von Gudrun Hillman hier veröffentlicht am 3.5.2021 Hier finden Sie weitere Geschichten von Hausmannskost und Festtagsessen

Bock auf Butterbrot

Der Ausstellungstitel lautete: „Was wir essen — woher es kommt“. Ein Kunstprojekt zum Thema Nahrung. Da ich nicht nur in der Kunst kreativ bin, sondern auch gerne koche — und esse, war für mich sofort klar, da mache ich mit. Ich machte mir nun Gedanken zum Essen — und über seine Herkunft. Und ich überlegte, ob ich meine Ideen malerisch, zeichnerisch oder als Collage umsetze. Zwei Bilder, die auf die Nährwerte, oder vielmehr Vitamine, hinweisen, hatte ich inzwischen in Acryl auf Leinwand gemalt. Ich könnte doch noch etwas zu Fastfood gestalten, einen Big Mac zum Beispiel und als Pendant ein einfaches Butterbrot. So richtig großen Appetit — oder „Bock“ auf Butterbrot. Ja, ein Bock muss drauf — das ist es! Eine kleine Schleichfigur, ob nun ein kapitaler Sechserbock oder ein Ziegenbock, egal, ich würde schon den passenden finden. Das war aber gar nicht so leicht wie vermutet. Sowohl im naheliegenden, als auch in umliegenden Geschäften gab es keinen. Kein Bock, nirgends. Ricken und Rehkitze gab es allerdings mehrfach. Ich war enttäuscht. Nun müsste ich wohl selber einen Bock basteln, aus Ton oder Fimo. Noch war Zeit bis zur Abgabe der Werke. So konnte ich die Einladung für ein paar Tage nach Stuttgart annehmen. Vielleicht würde ich ja dort fündig. Nach erfolglosem Auf- suchen von zwei Spielwarengeschäften fand ich in der Bastelecke eines Spiel-, Schreib- und Bastelladens in einer Kiste zwischen Buchstaben, Zeichen, Pferden, Löwen und Sternen in verschieden Größen ganz unten ein Ziegenbock! Alles aus Pappmaché. Der Bock sah zwar in der materialeigenen Farbe etwas unscheinbar aus, mit Pinsel und Farbe würde ich ihm ein Gesicht geben und ein passendes Fell. Jetzt fehlte nur noch das Butterbrot. Aber das hatte noch Zeit, bis ich wieder zuhause war. Eine Scheibe Brot (vom Bäcker) — die „Butter“ hatte ich schnell hergestellt: Alabastergips mit Wasser anrühren, eine Farbe, die es mit einer guten Alpenbutter aufnehmen kann und damit die Brotscheibe bestreichen Jetzt hatte ich „Bock“ auf Butter- brot — im doppelten Sinne. Auf dem kleinen Porzellanteller sah mein Werk etwas verloren aus, etwas fehlte noch. Wie bei einem Bild, das zwar ein Passepartout hat, aber noch keinen Rahmen. Die Käseglocke und eine große runde Glasvase als Haube passten nicht. Ein vier- eckiger Kerzenleuchter, umgekehrt und zweckentfremdet, gab den passenden Rahmen. Die Abgabe der Werke rückte näher und bald auch die Vernissage. Viele interessierte Gäste waren anwesend. Die Ausstellung bekam große Aufmerksam- keit und es kamen viele Besucher, auch ganze Schulklassen, erfuhr ich bei einem späteren Besuch. Mein Bock würde bei den Jugendlichen gut ankommen. „Klasse“, fänden sie den „Bock auf Butterbrot“ — und als Reaktion käme oft: „Null Bock auf Burger und Fritten“. Also kein Fastfood! Sie hatten meine Idee und Umsetzung verstanden. Ja, manchmal kann auch ein Butterbrot richtig delikat sein! von Gudrun Hillman hier veröffentlicht am 3.5.2021 Hier finden Sie weitere Geschichten von Hausmannskost und Festtagsessen